Ein Retail-Etikett – im deutschen Sprachgebrauch auch Handels- oder Einzelhandelsetikett – ist ein industriell produziertes, selbstklebendes Kennzeichnungsetikett aus Papier oder Folie, das speziell für die Produktkennzeichnung im Einzelhandel ausgelegt ist. Es dient der Übermittlung von Preis-, Produkt- und Logistikinformationen sowie gesetzlich vorgeschriebener Verbraucherinformationen und bildet damit den zentralen Informationsträger zwischen Hersteller und Endverbraucher. Im Kontext industrieller Kennzeichnung zählt das Retail-Etikett zur indirekten Produktkennzeichnung, bei der nicht das Produkt selbst, sondern ein aufgebrachtes Etikett als Informationsträger bedruckt wird.
Im praktischen Einsatz begleitet das Retail-Etikett ein Produkt durch die gesamte Wertschöpfungskette: Es wird in der Produktion oder Verpackungslinie erstellt und aufgebracht, sichert die lückenlose Identifikation über Lager und Logistik und erfüllt am Point of Sale die gesetzlichen Informationspflichten gegenüber dem Verbraucher. Für Lebensmittel schreibt die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, Verordnung Nr. 1169/2011) eine Vielzahl verbindlicher Pflichtangaben vor: Produktbezeichnung, Zutatenliste, Hervorhebung von Allergenen, Nettomenge, Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum, Name und Anschrift des Herstellers sowie eine Nährwertdeklaration. Pflichtangaben müssen deutlich lesbar und unauslöschlich sein; die Mindestschriftgröße beträgt 1,2 mm x-Höhe, auf Verpackungen unter 80 cm² ist eine Reduktion auf 0,9 mm zulässig. Nicht konforme Etiketten können Produktrückrufe oder Vertriebsverbote nach sich ziehen.
Für den Etikettendruck ergeben sich daraus konkrete Anforderungen an Material, Druckverfahren und Systemkompatibilität. Als Druckverfahren kommen im Retail-Bereich vorrangig Thermodirekt- und Thermotransferdruck zum Einsatz. Thermodirektdruck eignet sich für kurzlebige Anwendungen wie Kassenbons oder Logistiketiketten, da das Material direkt auf Wärme reagiert. Der Thermotransferdruck überträgt mithilfe von Farbbändern ein dauerhafteres Druckbild auf das Etikett und ist damit für Produkte geeignet, die stärkeren Umgebungseinflüssen ausgesetzt sind. Die Materialwahl zwischen Papier und Folie sowie der passende Klebstoff richten sich nach den jeweiligen Lager- und Transportbedingungen. Etikettenlieferanten müssen sicherstellen, dass ihre Produkte mit den Etikettendruckern und Applikationssystemen des Kunden kompatibel sind. Für Hersteller bedeutet das Retail-Etikett außerdem die Herausforderung, gesetzlich vorgeschriebene Pflichtinformationen und Markendesign-Elemente so zu kombinieren, dass Lesbarkeit und Normkonformität zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt werden.