Rotationsstanzwerkzeug

Ein Rotationsstanzwerkzeug ist ein speziell geformtes Stanzwerkzeug, das im kontinuierlichen Rotationsprozess Etikettenformen aus bahnförmigem Material ausstanzt. Es besteht in der Regel aus einer dünnen, biegbaren Metallplatte, auf deren Oberfläche die gewünschte Stanzkontur als erhabenes Profil ausgearbeitet ist, und wird mittels Magnetkraft auf einem Magnetzylinder fixiert. Als Alternative existieren sogenannte Festkörperstanzen, bei denen die Stanzkontur direkt in einen massiven Vollzylinder eingearbeitet ist.

Im laufenden Betrieb wird das bahnförmige Etikettenrohmaterial – typischerweise ein Verbund aus Obermaterial wie Papier oder Kunststofffolie und einem Liner als Trägermaterial – zwischen dem rotierenden Stanzwerkzeug und einem Gegendruckzylinder hindurchgeführt. Die Schneidkanten des Werkzeugs stanzen dabei ausschließlich das Obermaterial durch, ohne den Liner zu beschädigen. Anschließend wird das sogenannte Abfallgitter, also das nach dem Stanzen verbleibende Restmaterial, vom fertig gestanzten Etikettenstrang getrennt und separat aufgewickelt. Ein branchenübliches Standardspaltmaß zwischen Stanzwerkzeug und Gegendruckzylinder liegt bei 0,480 mm; dieser Wert ist maßgeblich für die Stanzqualität und muss auf Materialart sowie Materialdicke abgestimmt sein. Das Stanzwerkzeug selbst muss exakt auf den Umfang des Magnetzylinders abgestimmt sein, damit zwischen den Einzeletiketten gleichmäßige Stege entstehen.

Grundsätzlich wird zwischen vollrotativen und semi-rotativen Systemen unterschieden. Beim vollrotativen Stanzen – dem klassischen Einsatzgebiet im Flexo- und Offsetdruck – wird für jedes Etikettenformat ein eigener Magnetzylinder verwendet. Semi-rotative Systeme arbeiten mit variablem Hub bei gleichbleibendem Magnetzylinder und eignen sich damit für wechselnde Etikettenlängen.

Für den Etikettendruck ist das Rotationsstanzwerkzeug aus mehreren Gründen zentral. Der kontinuierliche Rotationsprozess ermöglicht hohe Produktionsgeschwindigkeiten und macht das Verfahren damit besonders geeignet für die Massenfertigung. Gleichzeitig erlaubt die präzise Schneidgeometrie das Ausstanzen komplexer Etikettenformen in Papier und Folie. Wer Etiketten beschafft, sollte wissen, dass die Verfügbarkeit vorhandener Rotationsstanzwerkzeuge beim Hersteller die Auswahl realisierbarer Etikettenformen direkt beeinflusst und Werkzeugkosten sowie Lieferzeiten mitbestimmt. Als Vergleichsverfahren existiert das Laserstanzen, das ohne physische Werkzeuge auskommt, aktuell jedoch langsamer arbeitet und nicht für alle Layouts geeignet ist. Die Wahl des Stanzverfahrens – und damit des Werkzeugtyps – hat also unmittelbare Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit, Formvielfalt und Lieferfähigkeit bei der Etikettenfertigung.