Die Tonwertzunahme (TWZ) bezeichnet den Effekt, dass Rasterpunkte einer Druckvorlage auf dem fertigen Druckbogen verfahrensbedingt größer erscheinen als in der Vorlage vorgesehen, wodurch das gedruckte Ergebnis dunkler ausfällt als geplant. Technisch ist sie die Differenz zwischen dem Tonwert der Druckdatei und dem Tonwert des tatsächlich gedruckten Ergebnisses, ausgedrückt in Prozentpunkten: ΔA = A(Druck) − A(Datei). In der Fachpraxis werden die Begriffe Tonwertzuwachs, Punktzunahme, Punktzuwachs, Punktverbreiterung und Druckzuwachs gleichbedeutend verwendet.
Die TWZ ist kein linearer Effekt: Sie beginnt bei niedrigen Tonwerten gering, erreicht ihr Maximum im Mitteltonbereich und nimmt zum Vollton (100 %) wieder ab. Daher werden Angaben stets mit Bezug auf einen bestimmten Ausgangswert gemacht, beispielsweise „9 % TWZ bei 25 % Rastertonwert“. Gemessen wird die Tonwertzunahme densitometrisch anhand optischer Dichtewerte auf Kontrollkeilen oder Testfeldern des Druckbogens. Ursächlich sind sowohl mechanische Faktoren – das leichte Breitquetschen der Druckpunkte – als auch der sogenannte Lichtfang (optical dot gain), wobei bei modernen Bogenoffsetmaschinen der Lichtfang den größeren Anteil ausmacht. Weitere Einflussfaktoren sind Rasterweite und Rasterart (AM vs. FM), Druckfarbe, Feuchtmittel sowie das Bedruckmaterial selbst. Je feiner das Raster, desto ausgeprägter ist in der Regel die Tonwertzunahme.
Für den Etikettendruck hat die Tonwertzunahme unmittelbare praktische Bedeutung. Im Farbmanagement von Etikettendruckmaschinen wird die TWZ jeder einzelnen Maschine gemessen, geregelt und bei der Kalibrierung der Druckkennlinie in der Vorstufe kompensiert, sodass Rasterbilder und Schriften auf dem Etikett mit dem gewünschten Tonwert wiedergegeben werden. Professionelle Etikettenhersteller integrieren die Regelung von Tonwertzuwachs und Graubalance explizit in ihre Farbmanagementprozesse, einschließlich der Entwicklung von Farbstandards, der Definition von Toleranzen und regelmäßiger Maschinenkalibrierung. Normativ gibt die ISO-12647-Serie spezifische Ziel-Tonwertzunahmen und Toleranzen vor – so gilt im Offsetdruck eine Toleranz von ±4 % in den Mitteltönen als üblich, und die Tonwertzunahmespreizung zwischen den Auszugsfarben sollte maximal 5 % betragen.
Besonders kritisch wird die Tonwertzunahme beim Wechsel von Etikettenmaterialien: Papier und Folie verhalten sich unterschiedlich, sodass gleiche Druckdaten auf unterschiedlichen Substraten sichtbar abweichende Farbergebnisse liefern können, wenn das Farbmanagement nicht entsprechend angepasst wird. Für Etikettenbesteller aus Industrie und Markenartikelbereich bedeutet eine unkontrollierte TWZ konkret dunklere, kontrastärmere oder farblich inkonsistente Etiketten – mit möglichen Folgen wie Abweichungen von CI-Vorgaben, Chargenunterschieden oder Lieferablehnungen. Eine stabil geregelte Tonwertzunahme ist daher Grundvoraussetzung für reproduzierbare Etikettenqualität über verschiedene Auflagen und Produktionsstandorte hinweg.