Ein trägerloses Haftetikett (englisch: linerless label) ist ein selbstklebendes Etikett auf Rolle, das vollständig ohne separates Trägermaterial (Liner) auskommt. Statt einer eigenen Trennschicht aus Papier oder Folie wird die Silikonbeschichtung direkt auf die Oberseite des Etikettenmaterilas aufgebracht, sodass die Klebeschicht einer Wicklung auf der silikonisierten Oberfläche der nächsten Wicklung aufliegt, ohne dauerhaft damit zu verkleben. Der Aufbau entspricht funktional einer Klebebandrolle: Endlosmaterial auf Rolle, ohne vorgeschnittene Einzeletiketten.
Trägerlose Haftetiketten bestehen typischerweise aus Thermopapier, dessen Unterseite mit einem drucksensitiven Klebstoff (Pressure-Sensitive Adhesive) versehen ist und dessen Oberseite die Silikontrennschicht trägt. Bedruckt wird ausschließlich im Thermodirektverfahren, da herkömmliche Farbstoffe auf der Silikonoberfläche kaum haften und keine Thermotransferfolie zum Einsatz kommen kann. Da das Material als Endlosbahn ohne vorgefertigte Zuschnitte vorliegt, erfolgt die Vereinzelung nicht durch klassische Stanzung, sondern durch integrierte Schneideeinrichtungen im Drucker. Für die Verarbeitung sind daher speziell für trägerloses Material ausgelegte Thermodirektdrucker notwendig, die das Material ohne stabilisierenden Träger führen, bedrucken und unmittelbar schneiden. Nach dem Schnitt liegt die Klebeseite ungeschützt frei, weshalb die Etiketten direkt nach dem Druck auf das Produkt aufgebracht werden müssen. Eine längere Zwischenlagerung einzelner Etiketten ist nicht möglich.
Für den Etikettendruck ist dieses Format in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Durch den Wegfall des Trägers passen bis zu rund 40 Prozent mehr Etiketten auf eine Rolle gleicher Größe, was Rollenwechsel reduziert und den Lager- sowie Transportbedarf senkt. Das vollständige Entfallen des Trägermaterials als Abfallfraktion wird in der Branche als wesentlicher Umweltvorteil gegenüber konventionellen Haftetiketten gewertet. Gleichzeitig entfallen die Kosten für Transferfolien, da ausschließlich Thermodirektdruck eingesetzt wird. Ein weiterer praxisrelevanter Vorteil ist die variable Etikettenlänge: Da das Material nicht vorgestanzt ist, kann die Schnittlänge flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden. Die Hauptanwendungsfelder liegen im Einzelhandel bei Waagen- und Preisauszeichnung, in der Logistik für Versand- und Lageretiketten sowie in der Gastronomie für Haltbarkeits- und Produktkennzeichnung. Wer trägerlose Haftetiketten einsetzt, muss jedoch die Einschränkungen kennen: Die Verarbeitung ist auf Rollenware und Thermodirektdruck beschränkt, farbige oder langlebige Druckbilder lassen sich mit diesem Format in der Regel nicht realisieren, und die Investition in geeignete Spezialdrucker mit Schneideeinheit ist zwingend erforderlich.