Ein Übertragklebeband (Transfer Tape) ist ein trägerloses, doppelseitig haftendes Klebesystem, das ausschließlich aus einer druckempfindlichen Klebstoffschicht auf einem abziehbaren Release-Liner besteht. Im Unterschied zu konventionellen doppelseitigen Klebebändern bleibt nach der Applikation kein eigenes Bandträgermaterial zurück – lediglich ein definierter Klebstofffilm verbindet zwei Substrate miteinander. Der Klebstoff, typischerweise auf Acrylatbasis, wird vom Liner auf das erste Substrat übertragen; nach dem Entfernen des Liners steht die zweite Klebfläche für die Verbindung mit dem Untergrund bereit.
In der Praxis wird der Klebstofffilm in einem Rolle-zu-Rolle-Prozess auf den Release-Liner beschichtet und anschließend durch Kaschieren auf das eigentliche Etikettenmaterial übertragen. Dieses Verfahren erlaubt die Kombination nahezu beliebiger Obermaterialien – Papiere, Kunststofffolien wie Polyester oder Polyimid, Metallfolien oder starre Kunststoffschilder – mit einem maßgeschneiderten Klebstoffsystem. In nachgelagerten Prozessschritten werden die so hergestellten Etikettenlaminate durch Schlitzschneiden, Rotations- oder Flachbettstanzen sowie Laser-Cutting konfektioniert. Auf denselben Anlagen lassen sich Schutzfolien und transparente Overlays dauerhaft mit gedruckten Etiketten verkleben, ohne dass ein sichtbarer Träger die Optik oder Flexibilität des Verbunds beeinträchtigt.
Für den Etikettendruck ist das Übertragklebeband aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens ermöglicht es die Fertigung selbstklebender Etiketten aus Materialien, für die kein standardisiertes Haftverbundmaterial am Markt verfügbar ist – relevant insbesondere bei Hochleistungsfolien oder Sondersubstraten für Automobil-, Elektro- oder Chemieanwendungen. Zweitens können bereits vorgefertigte, bedruckte Kennzeichnungsschilder nachträglich mit einem Klebstofffilm ausgestattet und so zu selbstklebenden Trägern umfunktioniert werden. Drittens erlauben speziell formulierte Transfer-Klebstofffilme auf Acrylatbasis die zuverlässige Haftung auf niederenergetischen Kunststoffen, lackierten oder strukturierten Oberflächen, auf denen Standardklebstoffe versagen würden.
Für Hersteller bedeutet der Einsatz von Übertragklebebändern einen erhöhten Prüf- und Dokumentationsaufwand: Haftung, Alterungsbeständigkeit sowie Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit des Klebstoffsystems müssen nach einschlägigen Normen wie DIN EN ISO 29862 oder DIN EN 1939 geprüft und nachgewiesen werden. Käufer von Etiketten sollten beachten, dass der Transferklebstoff als alleinige Verbindungsschicht zwischen Etikett und Untergrund fungiert – Untergrundmaterial, Betriebstemperaturen, chemische Einflüsse und mechanische Belastungen bestimmen daher direkt, welches Klebstoffsystem gewählt werden muss. Bei regulierten Anwendungen, etwa Sicherheitskennzeichnung oder Etiketten für Elektro- und Elektronikprodukte, ist zudem zu prüfen, ob das Gesamtsystem aus Etikettenmaterial und Transferklebstoff die geforderten Zulassungen, beispielsweise UL-Listungen oder REACH-Konformität, erfüllt.