Ein Vektor ist im Kontext der Druckvorstufe eine mathematisch beschriebene Grafik, die nicht aus einzelnen Bildpunkten besteht, sondern aus geometrischen Objekten wie Punkten, Linien, Kurven und Flächen, die über Koordinaten und Kurvenparameter definiert werden. Da diese Objekte bei jeder Ausgabegröße mathematisch neu berechnet werden, ist eine Vektorgrafik vollständig auflösungsunabhängig und lässt sich ohne Qualitätsverlust beliebig skalieren. Diese Eigenschaft unterscheidet Vektoren grundlegend von Raster- oder Pixelbildern, bei denen eine feste Auflösung vorgegeben ist und eine Vergrößerung zu sichtbaren Unschärfen führt.
In der Druckvorstufe werden Vektordaten über Koordinaten und mathematische Kurvenformeln, typischerweise Bézier-Kurven, beschrieben. Schriften liegen dabei als sogenannte Outline-Fonts vor, bei denen nicht Pixelraster, sondern die geometrischen Konturen jedes Zeichens gespeichert sind. Logos, Piktogramme, Linien und Rahmen werden ebenfalls vektororientiert angelegt. Barcodes und 2D-Codes wie DataMatrix oder QR-Code bestehen in der Druckdatei aus präzise definierten Flächen und Linien, deren Strichbreiten und Modulabmessungen exakt den jeweiligen Normspezifikationen entsprechen müssen. Vor dem eigentlichen Druckvorgang verarbeitet ein Raster Image Processor die Vektordaten und wandelt sie in druckbare Rasterpunkte um, wobei die mathematische Exaktheit der Vektorbeschreibung die Ausgabequalität direkt bestimmt.
Für den Etikettendruck ist die Verwendung von Vektordaten aus mehreren Gründen entscheidend. Etiketten enthalten typischerweise eine Kombination aus Schriften für Produkttexte und gesetzlich vorgeschriebene Pflichtangaben, maschinenlesbare Codes für die automatische Identifikation und Rückverfolgbarkeit sowie Logos und normierte Piktogramme etwa für Gefahrenkennzeichnungen. All diese Elemente müssen unabhängig vom Etikettenformat und vom eingesetzten Druckverfahren – ob Flexodruck, Thermotransferdruck, Digitaldruck oder Tintenstrahldruck – scharf, gleichmäßig und fehlerfrei reproduziert werden. Gerade bei kleinen Etikettenformaten und feinen Barcodestrukturen ist die kantenscharfe Ausgabe aus Vektordaten Voraussetzung dafür, dass die Codes zuverlässig gescannt werden können. Hinzu kommen variable Daten wie Seriennummern, Chargennummern oder Datumsangaben, die im Druckprozess ebenfalls vektororientiert erzeugt und ausgegeben werden, damit jede einzelne Instanz die geforderte Lesbarkeit erfüllt. Wer Etiketten in Auftrag gibt oder produziert, sollte sicherstellen, dass Schriften, Logos und Codes als Vektordaten vorliegen, da pixelbasierte Vorlagen die Druckqualität und damit die Funktionssicherheit der Kennzeichnung beeinträchtigen können.