Near-Edge-Druckkopf

Der Near-Edge-Druckkopf ist ein spezieller Thermodruckkopf, bei dem die Heizelemente nicht flächig, sondern unmittelbar an der Vorderkante des Druckkopfes angeordnet sind. Der gesamte Kopf ist gegenüber dem Bedruckstoff in einem Winkel von typischerweise 20 bis 45 Grad geneigt, sodass Thermotransferband und Etikettensubstrat nur auf einer Strecke von etwa einem Millimeter gleichzeitig in Kontakt stehen. Eine Sonderform ist der Corner-Edge-Druckkopf, bei dem der Kopf um 90 Grad gedreht ist.

Durch diese Kantengeometrie trennen sich Farbband und Bedruckstoff praktisch direkt hinter der Heizzone. Das zwingt dazu, speziell formulierte Near-Edge-Thermotransferbänder einzusetzen, deren Tinte deutlich schneller freigesetzt wird als bei Standardbändern für Flat-Head-Druckköpfe – konventionelle Farbbänder sind mit dieser Technologie nicht kompatibel. Die Bänder werden häufig auf besonders dünner PET-Trägerfolie gefertigt, was bei gleicher Spulengröße eine größere Bandlänge ermöglicht, Umrüstzeiten verkürzt und den Kunststoffverbrauch reduziert. Viele Near-Edge-Drucker verfügen zudem über einen schwebenden Druckkopf, der sich automatisch an unterschiedliche Materialdicken anpasst, ohne dass eine manuelle Höheneinstellung erforderlich ist. Near-Edge-Druckköpfe werden sowohl im Thermotransfer- als auch im Thermodirektdruck eingesetzt.

Für den Etikettendruck ist diese Technologie aus mehreren Gründen bedeutsam. Die Konstruktion erlaubt sehr hohe Druckgeschwindigkeiten: In der Praxis werden Werte von bis zu 900 mm/s genannt, wobei Geschwindigkeiten von über 250 mm/s als üblich gelten. Das macht Near-Edge-Systeme besonders geeignet für industrielle Kennzeichnungslinien mit hohem Druckvolumen, etwa für Barcodes, Seriennummern oder Haltbarkeitsdaten auf Etiketten und Verpackungen, einschließlich Lebensmittelverpackungen. Der schwebende Druckkopf erhöht die Toleranz gegenüber Dickenunterschieden im Etikettenmedium, was die Verarbeitung einer größeren Materialvielfalt ermöglicht – darunter verschiedene Kunststoffetiketten und ungewöhnliche Substrate. Für Anwender bedeutet das eine höhere Flexibilität bei der Etikettenauswahl. Gleichzeitig müssen Käufer und Systemintegratoren beachten, dass ausschließlich Near-Edge-kompatible Farbbänder verwendet werden können und dass die verwendeten Materialien – insbesondere bei Lebensmittelanwendungen – die jeweils geltenden regulatorischen Anforderungen erfüllen müssen. Near-Edge-Etikettendrucker werden in Herstellerunterlagen als eigenständige Geräteklasse neben Flat-Head-Etikettendruckern geführt und sind im industriellen Umfeld auch als Inline-Druckwerke in Verpackungsmaschinen verbreitet.