Silphie-Papier

Silphie-Papier ist ein Papierwerkstoff, bei dem mindestens 35 Prozent der Fasern aus der Durchwachsenen Silphie stammen, einer mehrjährigen einheimischen Energiepflanze. Der verbleibende Faseranteil besteht überwiegend aus konventionellem Holzzellstoff. Das Material weist eine naturbraune, leicht faserige Optik auf, bei der die Pflanzenfasern sichtbar bleiben und dem Papier seinen charakteristischen, an Kraftpapier erinnernden Look verleihen.

Die Gewinnung der Silphie-Fasern erfolgt mittels eines biothermischen Verfahrens, bei dem die Fasern vor der Biogaserzeugung aus der Pflanze separiert und anschließend gemahlen und zu einem papierverarbeitbaren Rohstoff aufbereitet werden. Dieses Prinzip der Kaskadennutzung – erst stoffliche, dann energetische Verwertung – unterscheidet Silphie-Papier von rein holzfaserbasierten Papieren. Die Papierproduktion selbst findet in spezialisierten Papierfabriken unter Einsatz erneuerbarer Energien statt. Eine Ökobilanz des Fraunhofer-Instituts UMSICHT kommt unter bestimmten Rahmenbedingungen zu dem Ergebnis, dass Silphie-Papier geringere Treibhausgasemissionen als konventionelle Testliner aufweisen kann.

Für den Etikettendruck wird Silphie-Papier als Obermaterial in selbstklebenden Haftverbunden eingesetzt. Ein bekanntes Beispiel ist das Haftmaterial HERMA-Silphie (Sorte 341), das aus Silphie-Papier als Oberfolie, einem permanent haftenden Klebstoff und einem Trägermaterial besteht. Anwendungsseitig eignet sich das Material für Adress-, Versand- und Kennzeichnungsetiketten im Büro- und Logistikbereich ebenso wie für Produkt- und Markenetiketten in der Kosmetik-, Getränke- und Lebensmittelbranche. Bestimmte Produkte werden ausdrücklich als für den direkten Lebensmittelkontakt geeignet ausgewiesen, was den Einsatz auf Verpackungen für Obst, Gemüse oder Faltschachteln ermöglicht. Einschränkend ist zu beachten, dass Silphie-Etiketten aktuell überwiegend für trockene Anwendungen ausgelegt und in der Regel nicht witterungsbeständig sind.

Drucktechnisch lässt sich Silphie-Papier in gängigen Verfahren verarbeiten: Bei Bogenetiketten sind Laser-, Inkjet- und Kopierdruckverfahren möglich; für Rollenetiketten kommen konventionelle Etikettendruckverfahren wie Rollenoffset, Flexo- und UV-Inkjet-Druck zum Einsatz. Darüber hinaus ist das Material prägbar, etwa durch Heißfolien- oder Blindprägung. Die Etiketten können mit geeigneten Klebstoffen so konfektioniert werden, dass sie im regulären Altpapierkreislauf recyclingfähig bleiben. Für Etikettendruckereien und deren Kunden bietet Silphie-Papier damit ein Material, das eine eigenständige Naturoptik mit Recyclingfähigkeit und Lebensmitteltauglichkeit verbindet – Eigenschaften, die bei der Materialauswahl für nachhaltig positionierte Produkte zunehmend als Entscheidungskriterien herangezogen werden.