Ein Heißsiegelklebstoff ist ein Klebstoff, der im Ausgangszustand keine Klebrigkeit aufweist und seine Haftwirkung erst durch gezielte Wärmeeinwirkung beim Aufbringen auf das Substrat entwickelt. Durch Hitze wird der Klebstoff aktiviert, schmilzt oder vernetzt und bildet anschließend eine dauerhafte Verbindung zwischen Etikett und Untergrund. Damit zählt er zu den reaktiv aktivierbaren Klebstoffsystemen im Etikettierbereich, bei denen eine externe Energiequelle – hier Wärme – die Haftung auslöst.
Im Unterschied zu selbstklebenden Etiketten, die sofort haften, oder nass gummierten Etiketten, die durch Wasser aktiviert werden, bleibt ein Heißsiegel-Etikett bis zur Applikation technisch inaktiv. Erst wenn Hitze und Druck – etwa durch eine Bügeleinheit oder eine industrielle Heißsiegelmaschine – definiert aufgebracht werden, entfaltet der Klebstoff seine Wirkung. Der Etikettenhersteller beschichtet dazu das Rückseitenmaterial des Etiketts im Produktionsprozess mit dem Heißsiegelklebstoff, ohne dass dabei bereits eine Verklebung stattfindet. Im mehrschichtigen Etikettenaufbau befindet sich die Heißsiegelschicht zwischen dem bedruckten Obermaterial und dem späteren Untergrund. Je nach Anwendung kann auf einen Liner verzichtet werden, da die fehlende initiale Klebrigkeit das Handling ohne Trägermaterial ermöglicht.
Für den Etikettendruck und die Etikettenverarbeitung ist diese Klebstoffart vor allem dort relevant, wo eine mechanisch belastbare und dauerhafte Verbindung gefordert wird, die konventionelle Haftklebstoffe nicht zuverlässig leisten können. Das klassische Einsatzfeld sind Textiletiketten – etwa Pflege- und Markenetiketten in Kleidungsstücken –, die nach der Applikation wasch- und temperaturbeständig sein müssen. Für den Etikettenhersteller bedeutet das konkret: Obermaterial, Druckfarben und Gesamtaufbau des Etiketts müssen so ausgelegt sein, dass sie die beim Heißsiegeln auftretenden Temperaturen und den aufgebrachten Druck ohne Schäden am Druckbild überstehen. Die Schichtdicke und Vernetzungseigenschaften des Klebstoffs sind qualitätskritisch und müssen auf den jeweiligen Untergrund abgestimmt sein. Für den Käufer und Anwender solcher Etiketten ist entscheidend, dass geeignete Heißsiegelgeräte oder Bügelpressen vorhanden sind, denn ohne die vorgeschriebenen Parameter – Temperatur, Druck und Einwirkzeit – bleibt der Klebstoff wirkungslos. Hersteller spezifizieren diese Parameter und weisen aus, für welche Untergründe und Beanspruchungen das jeweilige Produkt geeignet ist. Regulatorisch gelten für Heißsiegelklebstoffe dieselben Rahmenbedingungen wie für Etikettierklebstoffe generell: REACH- und CLP-Anforderungen sowie bei Lebensmittelkontakt die einschlägigen EU-Verordnungen wie (EG) Nr. 1935/2004.