Der Begriff Verankerung, im englischsprachigen Fachgebrauch als Anchorage bezeichnet, beschreibt im Kontext von Etikettierung und Klebstofftechnik die dauerhafte Verbindung zwischen den einzelnen Schichten eines selbstklebenden Etiketts sowie zwischen dem Etikett und dem zu beklebenden Untergrund. Als eigenständiger normierter Terminus ist der Begriff in deutschsprachigen Fachquellen zum Etikettendruck nicht etabliert; die Praxis arbeitet stattdessen mit Begriffen wie Haftung, Klebkraft, Verbund und Endhaftung. Gemeint ist jedoch stets dasselbe funktionale Prinzip: das zuverlässige Halten des Etiketts an seiner Position.
Ein selbstklebendes Etikett besteht aus drei Schichten – Obermaterial, Klebstoffschicht und Trägermaterial. Die Klebstoffschicht, in der Regel ein Haftklebstoff (Pressure Sensitive Adhesive, PSA), baut unter Anpressdruck ohne Wärme oder Lösungsmittel eine Verbindung zum Untergrund auf. Wie gut diese Verbindung gelingt, hängt von mehreren Faktoren ab: der Sauberkeit und Beschaffenheit der Oberfläche, dem beim Aufbringen aufgewendeten Anpressdruck, der Applikationstemperatur sowie der Konditionierungszeit nach dem Aufbringen. Für eine vollflächige Anlage der Klebstoffschicht empfiehlt die Praxis, das Etikett von der Mitte nach außen glatt zu streichen, um Lufteinschlüsse zu vermeiden. Haftprüfungen, etwa Schältests mit definiertem Winkel und Geschwindigkeit, dienen dazu, die erzielte Verbindungsfestigkeit messbar zu machen und für jede Kombination aus Etikett und Substrat zu validieren.
Für den Etikettendruck ist dieses Prinzip in mehrfacher Hinsicht entscheidend. Zunächst bei der Materialauswahl: Haftklebstoffe wie Acrylatkleber bieten hohe Temperatur- und Alterungsbeständigkeit sowie UV-Resistenz und eignen sich besonders für glatte Oberflächen, während für schwierig zu beklebende Untergründe stark haftende Spezialsysteme eingesetzt werden. Permanente Klebstoffe werden gewählt, wenn das Etikett dauerhaft auf dem Produkt verbleiben soll; ablösbare oder Dry-Peel-Systeme kommen zum Einsatz, wenn eine spätere Entfernung ohne Rückstände erforderlich ist. Für Hersteller bedeutet das, Klebstoff, Obermaterial und Substrat sorgfältig aufeinander abzustimmen und die Haftleistung durch Prüfungen zu belegen. Etikettiersysteme und Drucker müssen dabei auf die verwendeten Materialien abgestimmt sein, damit Spendevorgänge zuverlässig funktionieren und das Etikett korrekt positioniert wird. Letzteres ist gerade bei Barcodes und anderen maschinenlesbaren Codes kritisch, da eine exakte Platzierung Voraussetzung für die Lesbarkeit ist. Anwender müssen bei der Bestellung unter anderem angeben, welche Oberflächen etikettiert werden, welche mechanischen, thermischen oder chemischen Belastungen zu erwarten sind und ob permanente oder ablösbare Haftung benötigt wird. Werden Lagerbedingungen für Etikettenrollen – Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Schutz vor UV – nicht eingehalten, können Klebstoffeigenschaften und damit die effektive Haftleistung im Einsatz beeinträchtigt werden.