Wanderung

Im Etikettendruck bezeichnet Wanderung das Übergehen bestimmter Stoffbestandteile aus einer Materialschicht in eine angrenzende Schicht. Konkret können dabei Klebstoffbestandteile in das Etikettenmaterial migrieren, Weichmacher aus Folien in den Haftklebstoff eindringen oder unvernetzte Trennmittelbestandteile aus der Silikonschicht des Trägers in die Klebstoffschicht übergehen. Es handelt sich also um einen Diffusionsvorgang auf molekularer Ebene, bei dem niedermolekulare Komponenten wie Weichmacher, Additive oder nicht vollständig ausreagierte Bestandteile die Schichtgrenzen eines Etikettenverbundes überwinden.

Selbstklebende Etiketten bestehen immer aus mindestens drei Schichten: dem Obermaterial aus Papier oder Folie, der Klebstoffschicht und dem Trägermaterial mit seiner Trennbeschichtung. Diese Schichten stehen in dauerhaftem Kontakt, weshalb Wanderung grundsätzlich in jedem dieser Materialverbunde auftreten kann. Besonders relevant ist sie bei Foliensubstraten wie PET oder PP, die Additive enthalten können, sowie bei Klebstoffsystemen auf Acryl-, Kautschuk- oder Hotmelt-Basis. Auch unvollständig vernetzte Silikontrennschichten auf dem Liner gelten als bekannte Quelle für wandernde Bestandteile, die in den Klebstoff übertreten und dessen Eigenschaften verändern können.

Für den Etikettendruck und den praktischen Einsatz von Etiketten hat Wanderung direkte Konsequenzen auf mehreren Ebenen. Wenn Trennmittelbestandteile aus dem Liner in den Klebstoff migrieren, kann die Haftkraft an der Grenzfläche messbar abnehmen, was zu Ablöseproblemen im Anwendungsfall führt. Wandern Weichmacher aus Foliensubstraten in den Klebstoff, verändert sich die mechanische Stabilität und Alterungsbeständigkeit des gesamten Etikettenverbundes. Umgekehrt können Klebstoffbestandteile, die in ein Papierobermaterial eindringen, Verfärbungen oder einen sogenannten Klebstoffdurchschlag verursachen und damit die Druckqualität sowie die Lesbarkeit des Etiketts beeinträchtigen. Gerade in der industriellen Kennzeichnung, etwa bei Typenschildern oder langzeitbeständigen Warnhinweisen, ist diese Langzeitstabilität des Schichtaufbaus eine zentrale Anforderung.

Für Einkäufer und Spezifikatoren von Etiketten bedeutet das: Die Materialverträglichkeit aller beteiligten Schichten muss bei der Produktauswahl berücksichtigt werden, insbesondere wenn Etiketten auf Kunststoffuntergründen mit Weichmachern eingesetzt werden. Auch die Lagerbedingungen und die vorgesehene Einsatzdauer spielen eine Rolle, da Wanderungseffekte oft zeitabhängig und temperaturbedingt verstärkt auftreten. Hersteller von Etikettenverbunden legen den Schichtaufbau und die eingesetzten Rohstoffe gezielt so aus, dass unerwünschte Migration minimiert wird.