Gesamtfarbauftrag

Der Gesamtfarbauftrag (GFA) bezeichnet in der Druckvorstufe die Summe der Rasterwerte aller vier Prozessfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz an einem einzelnen Punkt des Druckmotivs, angegeben in Prozent. Theoretisch wären im CMYK-Druck bis zu 400 % möglich, da jede Farbe maximal 100 % beisteuern kann. In der Praxis wird dieser Wert jedoch deutlich begrenzt, weil Druckmaschine, Trocknungssystem und Bedruckstoff nur eine bestimmte Farbmenge fehlerfrei aufnehmen und verarbeiten können. International ist der Begriff unter den Bezeichnungen TAC oder TIC bekannt, kurz für Total Area Coverage beziehungsweise Total Ink Coverage.

Die Begrenzung des Gesamtfarbauftrags wird technisch bereits in der Druckvorstufe verankert, vor allem über ICC-Ausgabeprofile. Weit verbreitete Profile wie ISO Coated v2 begrenzen den GFA auf 330 %, während ISO Coated v2 300 % den Wert auf 300 % reduziert. Für ungestrichene Papiere empfehlen Standards wie PSO Uncoated v3 auf Basis von FOGRA52 ebenfalls Werte in diesem Bereich. Wer Bilder aus dem RGB-Farbraum in einen CMYK-Arbeitsfarbraum konvertiert, legt dabei automatisch fest, welcher maximale GFA in den Druckdaten enthalten sein darf. Zusätzlich lässt sich der Gesamtfarbauftrag im Rahmen der Preflight-Prüfung im PDF kontrollieren, etwa über die entsprechende Funktion in Adobe Acrobat Pro. Ist der GFA dennoch zu hoch, kann er durch selektive Tonwertkorrekturen oder eine erneute Profilkonvertierung gezielt reduziert werden.

Für den Etikettendruck ist der Gesamtfarbauftrag aus mehreren Gründen besonders relevant. Etiketten werden auf einem breiten Spektrum an Substraten hergestellt, darunter gestrichene und ungestrichene Papiere, Folien, Karton sowie metallisierte Materialien. Jedes dieser Substrate hat eine unterschiedliche Kapazität für die Farbaufnahme und Trocknung. Ein zu hoher GFA führt dazu, dass die Farbe zu langsam trocknet, Bogen oder Bahnen aneinanderkleben, Schatten und Tiefen im Druckbild zulaufen und feine Details verloren gehen. Für Etiketten, die anschließend gestanzt, gespult oder automatisch gespendet werden, sind solche Druckfehler besonders kritisch, da sie Produktionsausfälle und funktionale Mängel verursachen können. Darüber hinaus können Etiketten mit unzureichend getrocknetem Farbauftrag beim Abspulen haften, bei Berührung abfärben oder bei nachgelagerten Veredelungsschritten wie Kaschierung, Lackierung oder Heißfolienprägung Qualitätsprobleme verursachen. Viele Druckereien schreiben daher in ihren Produktionsrichtlinien einen maximalen Gesamtfarbauftrag von 300 % vor und verlangen von Auftraggebern entsprechend vorbereitete Druckdaten. Wer Etiketten in Auftrag gibt, tut gut daran, die angelieferten Dateien mit einem geeigneten ICC-Profil zu erstellen oder prüfen zu lassen, um Rückfragen, Nachbearbeitungen und Druckprobleme von vornherein zu vermeiden.