Ein ausgestanztes Etikett ist ein Etikett, das im Produktionsprozess durch ein Stanzwerkzeug aus einem Materialverbund in eine definierte Kontur geschnitten wurde. Der Verbund besteht aus Obermaterial, Klebstoff und Trägerliner; nach dem Stanzvorgang verbleiben die fertig geformten Etiketten auf dem Liner, während der umlaufende, nicht benötigte Teil – das sogenannte Stanzgitter oder Abfallgitter – abgezogen wird. Das Ergebnis ist ein formgenaues, einsatzfertiges Etikett auf Rolle oder als Einzeletikett.
Der Stanzprozess erfolgt entweder als Rotationsstanzung in Rollendruckmaschinen für hohe Auflagen oder als Flachbettstanzung für kleinere Mengen und Sonderformen. Beim Rotationsstanzen durchtrennt ein Messerwerkzeug kontinuierlich die Deck- und Klebstoffschicht des Materialbandes bis knapp auf den Liner, ohne diesen zu beschädigen – eine technisch präzise Anforderung, da ein beschädigter Liner das Laufverhalten in automatischen Etikettieranlagen direkt beeinträchtigt. Der Druck auf das Obermaterial erfolgt vor oder während der Stanzung, typischerweise per Thermotransfer, Thermodirekt, Flexodruck oder Digitaldruck. Als Obermaterialien kommen gestrichene oder thermosensitive Papiere sowie Folien aus PE, PP oder PET zum Einsatz; der Klebstoff wird je nach Anwendung als permanent haftend, ablösbar, temperaturbeständig oder migrationsarm für Lebensmittelkontakt ausgeführt.
Für den Etikettendruck ist die Unterscheidung zum ungestanzten Endlosmaterial grundlegend: Erst durch die Stanzung erhält ein Etikett seine einsatzfähige Form und kann automatisch von automatischen Applikatoren von der Rolle abgezogen und auf Produkte, Behälter oder Verpackungen aufgebracht werden. Die gewählte Stanzform – ob Rechteck, Rund oder Sonderkontur – muss dabei auf die Behältergeometrie, Designvorgaben und gesetzliche Flächenanforderungen abgestimmt sein, etwa für vollständige Zutatenverzeichnisse nach der EU-Lebensmittelinformationsverordnung oder Sicherheitshinweise nach dem Produktsicherheitsgesetz. Für Hersteller entstehen durch Sonderkonturen fixe Werkzeugkosten, die Stückkosten und Mindestauflagen beeinflussen. Käufer und Anwender müssen ausgestanzte Etiketten außerdem so spezifizieren, dass Format, Rollenkern, Bahnabstand und Laufrichtung mit ihren Thermotransfer- oder Thermodirektdruckern sowie den eingesetzten Etikettieranlagen kompatibel sind. Darüber hinaus muss das Material den Einsatzbedingungen standhalten: Temperatur, Feuchtigkeit, Chemikalien oder Abrieb können die Lesbarkeit und Haftung über die gesamte Produktlebensdauer gefährden – mit möglichen rechtlichen Folgen bei unzureichender Kennzeichnung.