Die BfR-Methodensammlung für Papier, Karton und Pappe im Lebensmittelkontakt ist eine vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereitgestellte Sammlung einheitlicher Prüfmethoden zur Untersuchung dieser Materialien. Sie ergänzt die BfR-Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt und versetzt Hersteller, Anwender sowie die Lebensmittelüberwachung in die Lage, systematisch zu prüfen, ob ein Material den entsprechenden BfR-Empfehlungen entspricht. Zentrale Grundlage ist dabei die BfR-Empfehlung XXXVI – Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt.
Die Methodensammlung kombiniert verschiedene analytische Verfahren. Zunächst wird der Stoffübergang vom Material auf das Lebensmittel simuliert – durch Migration, Gasphasenübergang oder Extraktion – und anschließend mit chromatographischen, spektroskopischen oder massenspektrometrischen Methoden analysiert. Für feuchte Lebensmittel kommen Wasserextrakte nach DIN EN 645 und DIN EN 647 zum Einsatz, für fetthaltige Lebensmittel ein Lösemittelextrakt nach DIN EN 15519. Anwendungen wie Kaffeefilter oder Kochbeutel werden über Heißwasserextraktion nach DIN EN 647 geprüft. Bei höheren Temperaturen ergänzen die MPPO-Migration sowie Thermodesorptions- oder Pyrolyseverfahren das Methodenspektrum. Die Farbechtheit wird über DIN EN 646 und DIN EN 648 beurteilt, wobei ein zentrales Prüfziel ist, dass Farbmittel nicht auf Lebensmittel übergehen dürfen. Als übergeordneter Rechtsrahmen gilt die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004; die Einhaltung der BfR-Empfehlung gilt in Deutschland als Nachweis der Konformität mit deren Art. 3.
Für den Etikettendruck ist die Methodensammlung dann direkt relevant, wenn das Etikettenmaterial selbst aus Papier, Karton oder Pappe besteht und für den Lebensmittelkontakt bestimmt ist. Die Methodensammlung adressiert nicht den Druckprozess oder die grafische Gestaltung, sondern ausschließlich das Material und seine Migrationseigenschaften. Hersteller von Papieretiketten für Lebensmittelverpackungen müssen die Einhaltung der BfR-Empfehlungen nachweisen können; die Methodensammlung liefert dafür die standardisierte Prüfgrundlage. Für Käufer von Etiketten bedeutet dies: Wer Papieretiketten in direktem oder indirektem Lebensmittelkontakt einsetzt, sollte sicherstellen, dass der Hersteller diese Prüfungen auf Basis der BfR-Methodensammlung nachweislich durchgeführt hat. Bei Folienetiketten oder anderen Materialien außerhalb der Gruppe Papier, Karton und Pappe entfaltet die Methodensammlung hingegen keine unmittelbare Wirkung.