Ein bio-basierter Klebstoff ist ein Klebstoff, dessen Rohstoffe ganz oder teilweise aus biogenen bzw. nachwachsenden Quellen stammen. Typische Ausgangsmaterialien sind Stärke, Cellulose, Casein, Harze, Pflanzenöle sowie biobasierte Polyole und Milchsäure. Der Begriff grenzt sich von konventionellen Klebstoffen ab, die vollständig auf petrochemischen Rohstoffen basieren.
Im technischen Einsatz begegnen bio-basierte Klebstoffe im Etiketten- und Verpackungsbereich vor allem als biobasierte Hotmelts, biobasierte Polyurethan-Klebstoffe (PUR) und Haftklebstoffe. Biobasierte Hotmelts können einen biobasierten Rohstoffanteil von bis zu 95 Prozent aufweisen; dieser Anteil wird durch das Testverfahren ASTM D6866-22 geprüft und damit messtechnisch belegt. Ein geringer Anteil petrochemischer Rohstoffe verbleibt in solchen Systemen je nach Formulierung dennoch. Für Lebensmittelanwendungen sind außerdem Haftklebstoffe auf Acrylatbasis verfügbar, die für den direkten Lebensmittelkontakt geeignet sein können. Klebstoffe, die in Kontakt mit Lebensmitteln geraten können, unterliegen der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004; diese schreibt vor, dass keine Bestandteile in Mengen abgegeben werden dürfen, die die menschliche Gesundheit gefährden, die Zusammensetzung von Lebensmitteln unvertretbar verändern oder deren organoleptische Eigenschaften beeinträchtigen. Spezifische EU-Einzelmaßnahmen für Klebstoffe existieren bislang nicht.
Für den Etikettendruck ist der Einsatz bio-basierter Klebstoffe aus mehreren Gründen konkret relevant. Biobasierte Haftklebstoffe werden mit einem Trägermaterial oder Biosubstrat kombiniert, um fertige Etikettenmaterialien herzustellen; für Flaschenetiketten werden sie laut IVK bereits seit Jahrzehnten eingesetzt. Besondere Bedeutung haben bio-basierte Klebstoffe bei kompostierbaren Etiketten: Damit ein Etikettenmaterial zur industriellen Kompostierbarkeit einer kompletten Verpackung beiträgt, muss die Material-Klebstoff-Kombination nach EN 13432 zertifiziert sein; eine solche Zertifizierung ermöglicht das Führen des Keimling-Logos und wird etwa durch DIN Certco durchgeführt. Für heimkompostierbare Anwendungen ist zusätzlich die Norm NF T51-800 einschlägig. Als konkrete Etikettenmaterialien werden in der Fachliteratur unter anderem Herma Extracoat (Sorte 242) und Herma Therm Bio phenolfrei (Sorte 909) genannt, jeweils in Verbindung mit einem kompostierbaren Haftklebstoff. Für Hersteller und Käufer von Etiketten bedeutet dies: Aussagen zur Lebensmittelkontakteignung, zur industriellen Kompostierbarkeit oder zum biobasierten Rohstoffanteil sind nur dann belastbar, wenn sie durch die genannten Normen oder Prüfverfahren dokumentiert sind. Praktische Vorteile bio-basierter Klebstoffe werden in der Fachliteratur mit Ressourcenschonung, Senkung von CO₂-Emissionen und problemloser Weiterverarbeitung beschrieben.