Contour Trapping

Contour Trapping bezeichnet in der Druckvorstufe das gezielte Über- und Unterfüllen aneinandergrenzender Farbflächen in einem Drucklayout. Durch minimal veränderte Konturen entsteht eine schmale Überlappungszone zwischen benachbarten Farben, die verhindert, dass bei Passerdifferenzen im Druck unbedruckte weiße Lücken – sogenannte Blitzer – sichtbar werden.

Das Verfahren folgt einer klaren Grundregel: Die hellere Farbe wird leicht in die dunklere Fläche hinein vergrößert (Überfüllen, englisch: Spread), oder die dunklere Hintergrundfläche wird entsprechend verkleinert, damit die hellere Vordergrundfarbe sie sicher überdeckt (Unterfüllen, englisch: Choke). Contour Trapping ist dabei nicht mit dem sogenannten Ink Trapping zu verwechseln, das die Farbannahme einer nachfolgenden Druckfarbe im Nass-in-Nass-Druck beschreibt und damit einen Druckprozess, keine Vorstufenanpassung meint. Auch unterscheidet es sich vom vollflächigen Überdrucken: Beim Contour Trapping wird ausschließlich eine schmale Konturzone überlappt, nicht das gesamte Objekt. Die Umsetzung erfolgt elektronisch im Rahmen der Datenaufbereitung, in Layout- oder Workflow-Systemen mittels Trapping-Algorithmen, bevor Druckplatten oder -formen hergestellt werden. Das Verfahren ist materialunabhängig und gilt für alle Druckverfahren, da es im digitalen Datensatz bzw. im RIP-Workflow angelegt wird.

Für den Etikettendruck ist Contour Trapping besonders relevant, weil mehrfarbige Etiketten typischerweise in Druckverfahren wie Offset- oder Flexodruck produziert werden, bei denen mehrere Druckwerke nacheinander im Register laufen müssen. Papier, Karton und Folien unterliegen dabei Dehnungs- und Passerschwankungen, die selbst bei gut eingestellten Maschinen zu geringfügigen Versätzen führen können. Ohne Trapping würden an Konturen zwischen kontrastreichen Farbflächen – etwa bei heller Schrift oder hellen Logos auf dunklem Hintergrund oder bei mehrfarbigen Piktogrammen und Warnsymbolen – weiße Blitzer entstehen, die das Druckbild erheblich beeinträchtigen. Durch die erzeugte Überlappungszone, die für das bloße Auge unsichtbar bleibt, werden diese Toleranzen kaschiert, ohne dass die wahrgenommene Größe oder Form der Druckelemente verändert wird. Für Etikettenhersteller bedeutet das in der Praxis: Mehr Exemplare liegen innerhalb der akzeptablen Qualitätsgrenzen, Ausschuss und Reklamationen wegen sichtbarer Konturfehler werden reduziert. Für Käufer von Etiketten erhöht sich die funktionale Zuverlässigkeit, da Logos, Kennzeichnungen und Piktogramme auch bei leichten Registerabweichungen klar lesbar und sauber abgegrenzt bleiben. Bei der Druckdatenvorbereitung muss daher bewusst festgelegt werden, welche Objekte über- oder unterfüllt werden – insbesondere an kontrastreichen Kanten und bei kleinen Schriftgrößen.