Eine Dieline (deutsch: Stanzlinie oder Stanzkontur) ist in der Druckvorstufe eine technische Vektorschablone, die exakt vorgibt, wo ein Etikett oder eine Verpackung beim späteren Finishing geschnitten, gerillt, gefalzt oder perforiert wird. Sie bildet das vollständige, abgeflachte Layout des späteren physischen Produkts ab und fungiert als verbindliche Blaupause für den gesamten Fertigungsprozess. Im Wesentlichen unterscheidet eine Dieline drei Linientypen: die Schnittlinie, entlang derer das Material vollständig durchtrennt wird, die Falt- bzw. Rilllinie für Knick- und Prägestellen sowie die Perforationslinie für Anrisse mit teilweisem Materialabtrag.
In der praktischen Druckvorstufe wird die Dieline als Vektorpfad in Programmen wie Adobe Illustrator angelegt und auf einer separaten Ebene geführt, häufig als eigener Spotcolor-Kanal. So lässt sie sich im Druckprozess unterdrücken und dient ausschließlich der Werkzeugerstellung. Die Dieline definiert dabei nicht nur die äußere Schnittkontur, sondern auch mögliche Innenausschnitte wie Fenster sowie die genauen Anschnittanforderungen: Bilddaten müssen in der Regel mindestens 1/8 Zoll über die Stanzlinie hinauslaufen, damit nach dem Stanzen keine unbedruckten, weißen Kanten entstehen. Gleichzeitig legt sie fest, wo funktionsrelevante Elemente wie Barcodes, Schriften oder Sicherheitshinweise positioniert sein müssen, damit diese nach dem Stanzen vollständig und im vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zur Kante auf der nutzbaren Fläche liegen.
Für den Etikettendruck hat die Dieline unmittelbare Auswirkungen auf Materialauswahl, Werkzeugkonfiguration und Produktionseffizienz. Etiketten bestehen typischerweise aus einem dreischichtigen Laminat aus Obermaterial, Klebstoffschicht und Trägermaterial; die Dieline gibt exakt vor, in welcher Kontur dieses Laminat ausgestanzt wird – unabhängig davon, ob das Obermaterial Papier oder Kunststofffolie ist. Nach der Bedruckung, die im Etikettendruck durch Verfahren wie Flexodruck, Digitaldruck oder Thermotransferdruck erfolgt, steuert die Dieline direkt die Konfiguration des Stanzwerkzeugs, also des Rotations- oder Flachstanzwerkzeugs auf der Schmalbahn-Rollenetikettendruckmaschine. Über Eye Marks – optische Referenzmarken in der Druckdatei – wird zudem sichergestellt, dass Schneidsysteme präzise entlang der Dieline arbeiten.
Eine fehlerhafte oder ungenaue Dieline hat in der Praxis direkte Konsequenzen: Etiketten können nicht maßhaltig sein, Druckelemente können angeschnitten werden und die Etiketten lassen sich möglicherweise nicht maschinell verarbeiten oder auf der vorgesehenen Oberfläche applizieren. Für Einkäufer und Anwender bedeutet eine korrekte Dieline daher, dass Form, Beschnitt und Kontur des fertigen Etiketts präzise zur Produktoberfläche passen, Barcodes lesbar bleiben und der Markenauftritt einheitlich reproduzierbar ist. Für Druckereien und Converter bildet sie die unverzichtbare Grundlage für einen effizienten, fehlerarmen Stanzprozess ohne unnötigen Ausschuss.