Low-Migration-Ink

Low-Migration-Ink (migrationsarme Druckfarbe) bezeichnet im Etikettendruck eine Druckfarbe, deren Rezeptur so ausgelegt ist, dass ihre Bestandteile möglichst nicht oder nur in sehr geringem Umfang aus dem bedruckten Material in das Füllgut – insbesondere Lebensmittel oder pharmazeutische Produkte – übergehen. Ziel ist die Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Migrationsgrenzen. Wichtig zu wissen: Der Begriff ist rechtlich nicht definiert und wird von der europäischen Druckfarbenindustrie (EuPIA) seit 2016 offiziell nicht mehr verwendet. EuPIA spricht stattdessen von „printing inks for food contact materials“, also Druckfarben für Lebensmittelkontaktmaterialien.

Migration beschreibt den Übergang von Stoffen aus Druckfarben durch das Verpackungs- oder Etikettenmaterial in das Füllgut. Dies kann durch Diffusion – etwa durch dünnwandige Kunststoffflaschen – oder durch Abklatsch beim Stapeln von Bechern geschehen. Um diesen Übergang zu minimieren, setzen migrationsarme Formulierungen auf hochmolekulare Bindemittel, polymerische Photoinitiatoren und den Verzicht auf bestimmte niedermolekulare Stoffe, die leichter in das Füllgut wandern könnten. Bei UV-Low-Migration-Farben wird berichtet, dass die meisten Stoffe bei Migrationsprüfungen unter der Nachweisgrenze von 10 ppb liegen. Für viele migrationsrelevante Komponenten gilt zudem eine Gesamtmigrationsgrenze (OML) von 60 mg/kg Lebensmittel gemäß EU-Recht. Maßgebliche Rechtsgrundlagen sind die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, die GMP-Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 sowie die Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011. Ergänzend relevant sind die EuPIA-GMP, die Schweizer Druckfarbenregelung und ab 2026 die geplante deutsche Druckfarbenverordnung (GIO).

Für den Etikettendruck hat dieses Thema unmittelbare praktische Konsequenzen. Low-Migration-Farben werden überall dort eingesetzt, wo Etiketten auf Lebensmittelverpackungen oder Pharmaverpackungen aufgebracht werden und indirekter Kontakt mit dem Füllgut möglich ist. Besonders kritisch ist dabei der UV-Etikettendruck, da Standard-UV-Farben ein erhöhtes Migrationsrisiko aufweisen. Druckereien stellen daher ganze Maschinenlinien auf UV-Low-Migration-Tintensysteme um und müssen Härtungsparameter sorgfältig kontrollieren, da eine unvollständige Aushärtung Restmonomere als potenzielle Migranten freisetzt. Auch im Offset- und Flexodruck werden für Lebensmitteletiketten ausschließlich migrationsarme Farben und Lacke eingesetzt. Hinzu kommt, dass nicht nur die Druckfarbe selbst, sondern auch Klebstoffe und Substrate migrationsarm ausgelegt sein müssen. Etikettenhersteller sind außerdem verpflichtet, die Konformität ihrer Farben und Prozesse mit den einschlägigen EU-Verordnungen zu dokumentieren. Wer als Käufer Etiketten für Lebensmittel- oder Pharmaprodukte bezieht, sollte entsprechende Konformitätsnachweise vom Druckereilieferanten einfordern und prüfen, ob die eingesetzten Produkte tatsächlich der EuPIA-GMP entsprechen – unabhängig davon, ob der Begriff „Low-Migration-Ink“ auf dem Produktdatenblatt erscheint oder nicht.