M1

M1 bezeichnet eine standardisierte Messbedingung für spektrale Farbmessgeräte, die in der Norm ISO 13655 definiert ist. Dabei wird vorgeschrieben, dass die Beleuchtung des Messgeräts eine spektrale Verteilung aufweist, die der Standardlichtart D50 mit einem definierten UV-Anteil entspricht. M1 ist damit kein Gerätetyp, sondern eine genormte Messkondition – eine von insgesamt vier (M0, M1, M2, M3) – die festlegt, unter welchen Lichtbedingungen ein Messwert ermittelt wird.

Der Kern von M1 liegt in der Behandlung optischer Aufheller, sogenannter OBA (Optical Brightening Agents). Diese Substanzen absorbieren UV-Licht und emittieren es als sichtbares blaues Licht, wodurch Papiere und bestimmte Substrate weißer und heller wirken. Da ältere Messbedingungen wie M0 keinen definierten UV-Anteil vorschreiben, lieferten Messungen an aufgehellten Materialien je nach Gerät unterschiedliche Ergebnisse. M1 behebt dieses Problem, indem es die Beleuchtungssituation normiert und so sicherstellt, dass Messwerte der visuellen Wahrnehmung unter D50-Normlicht entsprechen – also den Betrachtungsbedingungen, die ISO 3664 für die grafische Industrie definiert. Moderne Spektralphotometer von Herstellern wie X-Rite, Konica Minolta oder Techkon bieten die Auswahl der Messbedingung M1 explizit an; auch Inline-Messsysteme in Druckmaschinen können M1-konform arbeiten.

Für den Etikettendruck ist M1 aus mehreren Gründen direkt praxisrelevant. Viele gängige Etikettenmaterialien – insbesondere gestrichene Papier-Haftmaterialien für Konsumgüter oder Pharmakennzeichnung – enthalten optische Aufheller. Wird hier unter M0 gemessen, können Farbwerte entstehen, die zwar numerisch in der Toleranz liegen, visuell aber abweichen. M1-Messungen schließen diese Lücke zwischen Messung und Sehwahrnehmung. Beim Proof-Abgleich bedeutet das: Nur wenn Andruck, Proof und Serienproduktion alle unter derselben Messbedingung bewertet werden, sind Delta-E-Werte und Toleranzaussagen verlässlich vergleichbar. Gleiches gilt für die Erstellung von ICC-Farbprofilen – ob ein Profil auf M1-Messdaten basiert, ist eine wesentliche Information für einen konsistenten Farbmanagement-Workflow vom Prepress bis zur fertigen Etikettenrolle. Markenartikler, die hohe Farbverbindlichkeit bei Sonderfarben fordern, schreiben M1 zunehmend explizit in ihre Lieferantenspezifikationen. Druckereien, die nach ISO 12647 oder mit Fogra- bzw. ECI-Referenzdaten arbeiten, müssen sicherstellen, dass ihre Messtechnik und ihre Farbprofile konsistent auf M1 ausgerichtet sind, da Mischungen aus M0- und M1-Daten zu nicht vergleichbaren Ergebnissen führen.