M2

M2 bezeichnet im Farbmanagement eine normierte Messbedingung für spektralfotometrische Farbmessungen, bei der der UV-Anteil der Messbeleuchtung gezielt reduziert oder eliminiert wird. Dadurch wird der Einfluss optischer Aufheller (OBA, Optical Brightening Agents) im Substrat auf das Messergebnis weitgehend ausgeschaltet. Die Messbedingung M2 ist zusammen mit den Bedingungen M0, M1 und M3 in der Norm ISO 13655 definiert, die spektrale Messverfahren für den grafischen Bereich verbindlich regelt.

Im praktischen Einsatz wird M2 durch eine definierte UV-Filterung am Spektralfotometer realisiert. Optische Aufheller in Papieren und anderen Substraten absorbieren UV-Strahlung und emittieren diese als sichtbares blaues Licht – ein Effekt, der unter Normlicht kaum auffällt, aber bei Farbmessungen zu erheblichen Abweichungen führen kann, wenn unterschiedliche Messgeräte oder -bedingungen eingesetzt werden. Indem M2 diesen Fluoreszenzeffekt systematisch unterdrückt, entstehen Messwerte, die den „reinen“ Farbzustand des Materials ohne UV-Anregung abbilden. Spektralfotometer, die nach ISO 13655 zertifiziert sind, bieten die Auswahl der Messbedingung M2 an; alle Messungen in einem Workflow – von der ICC-Profilierung bis zur laufenden Qualitätskontrolle – müssen dann konsistent unter dieser Bedingung durchgeführt werden, damit CIELAB-Werte und ΔE-Toleranzen vergleichbar bleiben.

Für den Etikettendruck ist M2 aus mehreren Gründen unmittelbar relevant. Etikettenpapiere, insbesondere gestrichene und ungestrichene Haftetiketten, enthalten häufig optische Aufheller im Strich oder in der Papierfaser. Werden Farbmessungen an solchen Materialien unter unterschiedlichen Messbedingungen durchgeführt – etwa M0 beim Lieferanten und M1 beim Kunden –, entstehen systematische Differenzen in den gemessenen CIELAB-Werten, die fälschlicherweise als Farbabweichung interpretiert werden können. Die Vereinbarung von M2 als gemeinsame Messbedingung in Lieferantenspezifikationen und Qualitätssicherungsprozessen beseitigt diese gerätebedingten Unterschiede und schafft eine eindeutige Grundlage für Farbtoleranzen und Reklamationsbewertungen. Etikettenhersteller, die Drucksysteme – ob Flexo, Offset, Tiefdruck oder Digital – auf Basis von ICC-Profilen betreiben, müssen sicherstellen, dass Profilierung und Produktionskontrolle dieselbe Messbedingung verwenden. Wird M2 gefordert, gilt das für alle Stufen des Farbmanagement-Workflows. Käufer von Etiketten profitieren dadurch, dass Farbangaben auf Basis von ISO 13655/M2 substratübergreifend vergleichbar sind und transparent machen, ob eine Farbspezifikation den UV-Einfluss einschließt oder ausschließt – ein Unterschied, der besonders dann ins Gewicht fällt, wenn Etiketten unter wechselnden Lichtbedingungen beurteilt werden.