Silikon-Klebstoff (lösemittelbasiert)

Ein lösemittelbasierter Silikon-Klebstoff ist ein druckempfindlicher Haftklebstoff (Pressure Sensitive Adhesive, PSA), bei dem Silikonpolymere in einem organischen Lösemittel formuliert sind. Er entfaltet seine Klebkraft allein durch Anpressen auf das Substrat und ist speziell für Untergründe entwickelt worden, auf denen konventionelle Klebstoffe nicht oder kaum haften – allen voran Silikonoberflächen und andere niederenergetische Substrate wie PTFE (Teflon).

Im Etikettenaufbau übernimmt dieser Klebstoff die Verbindungsschicht zwischen dem Obermaterial – Papier oder Kunststofffolie – und dem zu beklebenden Gegenstand. Während Produktion und Weiterverarbeitung schützt ein Trägermaterial (Liner) mit Silikon-Trennschicht die Klebstoffschicht, damit Drucken, Stanzen und Schneiden störungsfrei ablaufen können. Beim Spendeprozess löst sich das Etikett vom Liner und wird auf das Zielsubstrat aufgebracht. Zu den typischen Einsatzfeldern zählen die Kennzeichnung von Silikonbauteilen wie Dichtungen und Schläuchen, die Beschriftung flexibler Gummileitungen sowie die Etikettierung von Oberflächen, die durch silikonhaltige Trennmittel verunreinigt sind – etwa Formteile aus der industriellen Fertigung. Airbags gelten als konkretes Beispiel für solche Anwendungen.

Für den Etikettendruck ist dieser Klebstofftyp aus mehreren Gründen bedeutsam. Standardklebstoffe auf Acrylat- oder Kautschukbasis versagen auf niederenergetischen Untergründen, weil die Oberflächen schlecht benetzbar sind. Lösemittelbasierte Silikon-Klebstoffe schließen diese Lücke und gelten ausdrücklich als bevorzugte Wahl für schwierige Anwendungen. Etikettenhersteller müssen das Klebstoffsystem daher gezielt nach dem Zielsubstrat auswählen und sicherstellen, dass die gewählte Kombination aus Obermaterial, Klebstoff und Liner die Anforderungen einschlägiger Normen erfüllt – darunter die DIN 16524, die Beständigkeit von Etiketten gegenüber äußeren chemischen und physikalischen Einflüssen regelt, sowie DIN-Normen, die permanent haftende von ablösbaren Klebstoffsystemen unterscheiden. Für Anwender und Einkäufer empfiehlt sich vor dem Serieneinsatz ein Klebetest unter realen Bedingungen: Das Etikett sollte mindestens 24 Stunden auf dem Testuntergrund verbleiben, bevor die Haftung abschließend bewertet wird. Darüber hinaus sind bei der Klebstoffauswahl die voraussichtliche Klebedauer, zu erwartende Umwelteinflüsse wie Temperatur oder Chemikalienbelastung sowie geltende gesetzliche Kennzeichnungsvorschriften zu berücksichtigen, die je nach Branche mittelbar Anforderungen an das Klebstoffsystem stellen können.