„Umweltfreundliche Etiketten“ ist im industriellen Etikettendruck kein rechtlich normierter Begriff, sondern ein Sammelbegriff für Etikettenlösungen, deren Materialien, Herstellung und Entsorgung die Umweltwirkung nachweislich reduzieren. Dazu zählen Etiketten, die recyclingfähig, kompostierbar oder aus erneuerbaren bzw. recycelten Rohstoffen hergestellt sind. Eine einheitliche Legaldefinition existiert nicht; die Branche orientiert sich stattdessen am Prinzip der vier R: Reduce, Recycle, Renew, Reuse.
Technisch betrachtet ist ein Etikett stets ein System aus Obermaterial, Klebstoff und Trägermaterial (Liner). Als umweltfreundlich gilt ein Etikett dann, wenn mindestens das Obermaterial – und idealerweise auch der Klebstoff – recyclingfähig, kompostierbar oder aus nachhaltigen Quellen stammt, da das Obermaterial maßgeblich die Recyclingfähigkeit der gesamten Verpackung beeinflusst. Konkret kommen verschiedene Materialansätze zum Einsatz: FSC®-zertifizierte Papiere und Recyclingpapiere, PET- oder PP-Folien mit PCR- (Post-Consumer Recycled) oder PCI- (Post-Industrial Recycled) Rezyklatanteilen sowie biobasierte Kunststoffe wie PLA (Polymilchsäure) für vollständig biologisch abbaubare Etiketten. Ein weiteres Substrat ist sogenanntes Steinpapier, das zu etwa 80 Prozent aus Steinstaub besteht, ohne Zellulose auskommt und laut Herstellerangaben einen rund 60 Prozent geringeren ökologischen Fußabdruck als herkömmliches Papier aufweist, da bei der Produktion weder Wasser noch Bleichmittel benötigt werden.
Für den Etikettendruck sind diese Ansätze aus mehreren Gründen unmittelbar praxisrelevant. Auf Verfahrensseite ermöglicht der Digitaldruck eine ressourcenschonendere Produktion durch geringere Makulaturmengen und bedarfsgerechte Auflagen. Linerlose Etiketten, bei denen das Trägermaterial vollständig entfällt, reduzieren den Rohstoffverbrauch und die anfallende Abfallmenge im Druck- und Etikettierprozess spürbar. Etikettenhersteller sind dabei gefordert, Obermaterial, Klebstoff und Liner so aufeinander abzustimmen, dass die angestrebte Recyclingfähigkeit oder Kompostierbarkeit des Gesamtsystems tatsächlich erreicht wird – dünnere Basismaterialien und umweltfreundliche Druckfarben sind weitere Stellschrauben. Für Käufer und Markeninhaber ergeben sich daraus konkrete Möglichkeiten, die Umweltwirkung ihrer Verpackungen zu senken und regulatorische Anforderungen sowie ESG-Ziele zu adressieren, etwa durch den Einsatz von PCR-Materialien zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft. Für Anwendungen im direkten Lebensmittelkontakt sind biologisch abbaubare Etiketten aus PLA verfügbar, die als zugelassen für diesen Verwendungszweck gehandelt werden, sofern sie auf ebenfalls kompostierbaren Verpackungsmaterialien eingesetzt werden.