VDA 4902 / VDA 4994 (Global Transport Label) / ODETTE

VDA 4902, VDA 4994 und ODETTE bezeichnen standardisierte Transportetiketten-Normen für die Automobilindustrie. Sie regeln, wie Versand- und Transportverpackungen mittels Klarschrift sowie ein- und zweidimensionaler Barcodes einheitlich gekennzeichnet werden müssen, damit alle Beteiligten der Lieferkette – Lieferant, Spediteur und Empfänger – Sendungen automatisiert verarbeiten können.

VDA 4902 ist eine Empfehlung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) für einen standardisierten Warenanhänger. Das Format nutzt Klartext und Code-39-Barcodes; seit der Revision 2012 ist zusätzlich ein DataMatrix-2D-Code möglich. VDA 4994 definiert das sogenannte Global Transport Label (GTL) und löst VDA 4902 als empfohlenen Standard ab – Version 2.0 wurde im Juli 2023 veröffentlicht und bezeichnet sich explizit als Nachfolger. Das GTL wurde gemeinsam von Odette (Europa), AIAG (Nordamerika) und JAMA/JAPIA (Japan) entwickelt und ermöglicht eine eindeutige weltweite Identifikation von Packstücken. Die europäische Automobilorganisation Odette veröffentlicht die GTL-Spezifikation unter der Richtlinie LL08; VDA 4994 wird ausdrücklich als gleichwertig zu Odette LL08 beschrieben. VDA 4994 schreibt als Barcodeformate einen Code-128-Strichcode (1D) sowie bevorzugt einen DataMatrix-Code nach ISO/IEC 16022 (2D) vor; PDF417 ist zugelassen, QR-Code nur ausnahmsweise erlaubt. Das Label unterscheidet drei Etikettentypen – Einzelverpackung, Sammelverpackung und Mischladungseinheit – die über Präfixe im Package-ID-Code (z. B. 1J, 6J, 5J) kenntlich gemacht werden.

Für den Etikettendruck sind diese Normen unmittelbar handlungsrelevant. Lieferanten der Automobilindustrie sind durch OEM-Logistikrichtlinien – etwa von ZF, Dräxlmaier, Eberspächer oder Forvia Hella – verbindlich verpflichtet, Etiketten zu produzieren, die exakt der VDA-4994- beziehungsweise noch gültigen VDA-4902-Spezifikation entsprechen. Das betrifft Feldstruktur, Dateninhalte, Barcodetypen, Schriftgrößen (z. B. Arial Narrow, 6 pt für Überschriften), Mindesthöhen von Barcodes (Code 128 mindestens 15 mm) sowie das Gesamtlayout. Die gedruckten Daten – darunter Lieferant, Materialnummer, Liefermenge, Gewichte und Package-ID – müssen mit dem Advance Shipping Notice (ASN) übereinstimmen. Praktisch bedeutet das: Anwender benötigen Etikettensoftware mit vorgefertigten VDA-4994- und VDA-4902-Layouts sowie Barcode-Drucker, die Code 128 und DataMatrix normkonform ausgeben können; in der Praxis kommen typischerweise industrielle Thermodirekt- oder Thermotransfer-Drucker zum Einsatz. ERP-Systeme wie SAP werden so konfiguriert, dass sie druckfertige GTL-Etiketten inklusive aller Pflichtfelder automatisch generieren. Obwohl VDA 4902 formal durch VDA 4994 ersetzt wurde, ist es in vielen Unternehmen weiterhin im Einsatz, weshalb Drucklösungen häufig beide Standards parallel unterstützen müssen.