Wasserlöslicher Klebstoff bezeichnet im Etikettendruck einen Haftklebstoff, der sich bei Kontakt mit Wasser vollständig oder weitgehend auflöst und dadurch ein Etikett ohne oder mit minimalen Rückständen vom Untergrund ablösen lässt. Je nach Materialkombination löst sich entweder ausschließlich der Klebstoff auf, sodass das Etikett als Ganzes abfällt, oder Klebstoff und Etikettenpapier zersetzen sich gemeinsam im Wasser. Typischerweise handelt es sich um dispergierte oder polymere Haftklebstoffe, teilweise auch um Dispersions- oder Stärkeleime, die im pH-Bereich von 3 bis 14 vollständig wasserlöslich sind.
Im praktischen Einsatz haften wasserlösliche Etiketten auf dem Untergrund wie konventionelle Selbstklebeetiketten und lassen sich mit handelsüblichen Etikettiermaschinen oder manuell applizieren. Die empfohlene Applikationstemperatur liegt zwischen +10 °C und +35 °C, der ausgebildete Haftverbund ist jedoch zwischen –40 °C und +100 °C beständig, kurzzeitig sogar bis etwa +200 °C. Einige Produkte sind zusätzlich tiefkühlfest bis –20 °C. Zur Entfernung genügt kaltes oder warmes Wasser; erhöhte Wassertemperatur und Reinigungsmittel beschleunigen den Lösevorgang auf Sekunden bis wenige Minuten. Qualifizierte Produkte erfüllen dabei normative Anforderungen wie TAPPI UM 213 und PTS-PR 252/90 zur Prüfung der Wasserlöslichkeit sowie bei indirektem Lebensmittelkontakt die FDA 175.105.
Für den Etikettendruck ist dieser Klebstofftyp vor allem dann relevant, wenn Etiketten nach der Nutzung rückstandsfrei entfernt werden müssen. Der größte Anwendungsbereich liegt bei Mehrwegsystemen: Getränkekisten, Glasflaschen, Mehrwegbehälter aus Kunststoff oder Metall werden in industriellen Wasch- und Spülanlagen gereinigt, wobei die Etiketten im selben Prozessschritt vollständig abgelöst werden. Daneben sind wasserlösliche Klebstoffe in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie für temporäre Kennzeichnungen, in der Logistik für Lageretiketten sowie im Labor für die Kennzeichnung von Probengefäßen verbreitet. Als Trägermaterial kommen spezielles Wasserlöslichkeitspapier, das sich gemeinsam mit dem Klebstoff auflöst, sowie konventionelles Etikettenpapier mit wasserlöslicher Klebeschicht zum Einsatz; vereinzelt werden auch Folienmaterialien kombiniert. Bedrucken lassen sich diese Materialien mit Thermotransfer-, Flexo- und Laserdruck. Für Etikettenhersteller und Verarbeiter bedeutet das konkret: Die Materialwahl muss Wasserlöslichkeit, Druckstabilität und Haftung auf den Zielmaterialien – Glas, Metall, Papier und gängigen Kunststoffen wie PE, PP, PVC und Polystyrol – gleichermaßen sicherstellen und auf die Parameter der jeweiligen Reinigungsanlage abgestimmt sein.