Flexodruck ist ein direktes Hochdruck-Rollenrotationsverfahren, bei dem reliefartig erhabene, flexible Druckformen aus Gummi oder Photopolymer – sogenannte Klischees – auf einem rotierenden Zylinder montiert sind und nach dem Stempelprinzip Farbe direkt auf den Bedruckstoff übertragen. Das Verfahren arbeitet vollrotativ von der Rolle und ist für den kontinuierlichen Druck großer Materialmengen bei hoher Geschwindigkeit ausgelegt.
Im Druckwerk wird die Farbe über ein Kammerrakelsystem dosiert auf eine Rasterwalze, die sogenannte Aniloxwalze, aufgetragen. Diese überträgt eine definierte Farbmenge auf das erhabene Druckbild des Klischees, das beim Durchlauf des Bedruckstoffs zwischen Form- und Gegendruckzylinder das Motiv auf das Material überträgt. Für den Flexodruck werden dünnflüssige, schnell trocknende Druckfarben auf Lösungsmittel-, Wasser- oder UV-Basis eingesetzt. Die Trocknung erfolgt je nach System durch Heißluft, Infrarot oder UV-Härtung. Für die Farbdefinition und -reproduzierbarkeit wird im Etiketten- und Verpackungsdruck häufig das Pantone Matching System herangezogen, wobei je nach Bedruckstoff unterschiedliche Pantone-Fächer Anwendung finden.
Im Etikettendruck ist Flexodruck das am weitesten verbreitete Verfahren und gilt insbesondere im schmalbahnigen Etikettendruck als Branchenstandard. Es eignet sich für ein breites Spektrum an Rollenmaterialien: Papier (gestrichen und ungestrichen), Kunststofffolien wie PP, PE oder PET, Karton, metallisch beschichtetes Papier sowie Substrate für Shrink-Sleeves und Laminate. Damit lassen sich Selbstklebeetiketten, Tags und mehrschichtige Etiketten für Lebensmittel, Getränke, chemische Produkte und Wellpappenverpackungen herstellen. Moderne Flexodruckmaschinen ermöglichen dabei die inline-Integration weiterer Prozesse wie Kaltfolienprägung, Laminieren und Stanzen, was den Produktionsaufwand für veredelte Etiketten deutlich reduziert.
Für Etikettendruckereien bedeutet das Verfahren hohe Produktivität bei mittleren bis großen Auflagen: Ein einzelnes Klischee kann zur Produktion von Millionen Etiketten genutzt werden, und der Break-Even gegenüber dem Digitaldruck liegt Fachquellen zufolge je nach Konstellation bei etwa 6.000 Laufmetern. Dem stehen Kosten für die Klischeeerstellung und Rüstzeiten für Plattenmontage und Farbeinrichtung gegenüber, die Flexodruck bei sehr kleinen Auflagen weniger wirtschaftlich machen. Für Etikettenbesteller bietet das Verfahren neben günstigen Stückkosten bei hohen Mengen auch die Möglichkeit, Sonderfarben einzusetzen – darunter fluoreszierende, metallische und unsichtbare Farben –, was für Kennzeichnungs- und Sicherheitsanwendungen besonders relevant ist.