Phenolfreies Thermopapier ist ein thermosensitives Spezialpapier, dessen hitzeempfindliche Beschichtung vollständig ohne Phenole – insbesondere ohne Bisphenol A (BPA), Bisphenol S (BPS) und Bisphenol C (BPC) – formuliert ist. Es gehört zur Gruppe der Thermopapiere, ersetzt jedoch die in klassischen Thermopapieren üblichen phenolischen Farbentwickler durch nicht-phenolische Alternativen, während die eigentliche Funktion der thermischen Bildentstehung erhalten bleibt.
Im Thermodirektdruck wird das Papier an den zu bedruckenden Stellen durch reihenförmig angeordnete Heizelemente punktuell erhitzt. Die in der Beschichtung enthaltenen Farbbildner und Farbentwickler reagieren dabei auf die Wärme und erzeugen das Druckbild – ohne Tinte oder Toner. Bei phenolfreien Qualitäten übernehmen alternative, nicht-phenolische Farbentwickler diese Reaktion. Etiketten aus phenolfreiem Thermodirektpapier werden je nach Anwendung mit permanenten oder ablösbaren Klebstoffen ausgestattet und haften laut Herstellerangaben auch auf leicht rauen und gewölbten Oberflächen sowie auf gekühlten Produkten.
Für den Etikettendruck ist der Begriff aus mehreren Gründen unmittelbar praxisrelevant. Seit dem 1. Januar 2020 gilt in der EU durch die Verordnung (EU) 2016/2235 ein faktisches Verbot von BPA in Thermopapier: Der BPA-Gehalt darf 0,02 Gewichtsprozent nicht überschreiten. Da BPA nach der europäischen Chemikalienverordnung REACH als besonders besorgniserregender Stoff (SVHC) eingestuft ist, müssen Hersteller und Anwender von Thermoetiketten seit diesem Zeitpunkt auf BPA-freie Materialien umgestellt haben. Phenolfreies Thermopapier geht dabei über die gesetzliche Mindestanforderung hinaus, indem es zusätzlich BPS und BPC ausschließt. Für Etikettenanwender in Industrie, Handel und Logistik bedeutet das erhöhte Rechtssicherheit und eine reduzierte chemische Belastung für Personal, das regelmäßig mit bedruckten Etiketten und Belegen in Kontakt kommt.
In der Praxis werden Etiketten aus phenolfreiem Thermodirektpapier vor allem in der internen und externen Logistik eingesetzt – als Versandetiketten, Verpackungsetiketten, Preisetiketten und Kommissionieraufkleber –, typischerweise direkt auf Kartonagen und Transportbehältern. Sie werden als Rollenetiketten für Thermodrucker und automatisierte Kennzeichnungssysteme angeboten. Käufer sollten bei der Beschaffung explizit auf die Produktkennzeichnung „phenolfrei“ achten oder sich vom Hersteller entsprechende Spezifikationen und Zertifikate vorlegen lassen, da BPA-Freiheit allein nicht automatisch Phenolfreiheit bedeutet.