Der Begriff „RPP-Folie“ ist im deutschsprachigen Fachumfeld des Etikettendrucks nicht als eigenständige, normativ oder technisch definierte Materialklasse belegt. In der einschlägigen Hersteller- und Fachliteratur finden sich ausschließlich die etablierten Bezeichnungen PP-Folie beziehungsweise Polypropylen-Folie sowie rPP für recyceltes Polypropylen. Es ist daher wahrscheinlich, dass „RPP-Folie“ entweder als verkürzte oder fehlerhafte Schreibweise für rPP-Folie – also Folie aus recyceltem Polypropylen – verwendet wird, oder schlicht eine ungebräuchliche Variante des allgemeinen Begriffs PP-Folie darstellt.
PP-Folie bezeichnet Folienmaterial aus Polypropylen, einem thermoplastischen Polymer, das im Etikettendruck als Trägermaterial eingesetzt wird. Gegenüber Polyethylen-Folie (PE) ist PP-Folie steifer, reißfester und bietet höhere mechanische Stabilität. Eine verbreitete Sonderform ist die biaxial orientierte OPP-Folie, die durch Recken in Längs- und Querrichtung besonders hohe Klarheit, Barriereeigenschaften und Festigkeit erreicht. Als Selbstklebeetikett ist PP-Folie in der Regel mit einem Haftklebstoff auf Acryl- oder Kautschukbasis sowie einem silikonisierten Trennliner aufgebaut. Für den Druck kommen vor allem Thermotransferverfahren zum Einsatz, darüber hinaus auch Flexo-, Digital- und UV-Offsetdruck.
Für den Etikettendruck ist PP-Folie aus mehreren Gründen relevant. Das Material ist wasserfest, gegen die meisten organischen Lösungsmittel, Fette, Säuren und Laugen beständig und verträgt Temperaturen von etwa −20 °C bis +100 °C. Diese Kombination macht PP-Etiketten zur bevorzugten Wahl in der industriellen Kennzeichnung, der Verpackungsbranche sowie für Innen- und Außenanwendungen, bei denen Feuchtigkeit, Chemikalien oder Temperaturschwankungen auftreten. Transparente PP-Folie ermöglicht zudem den sogenannten No-Label-Look, bei dem der Eindruck entsteht, der Druck sei direkt auf dem Produkt aufgebracht. Werden PP-Etiketten auf PP-Behältern eingesetzt, entsteht eine sortenrein recycelbare Verpackungseinheit – ein zunehmend relevanter Vorteil angesichts regulatorischer Anforderungen an Recyclingquoten.
Wird unter „RPP-Folie“ tatsächlich rPP-Folie verstanden, also Folie aus mechanisch oder chemisch recyceltem Polypropylen, ergänzt sich der Nachhaltigkeitsaspekt: Solche Materialien erlauben Markeninhabern, den Rezyklatanteil in ihrem Etiketten- und Verpackungssystem zu erhöhen, ohne dabei auf die typischen Druckeigenschaften von PP-Folie verzichten zu müssen. Hersteller beschreiben die Druckqualität von mechanisch recyceltem rPP als mit kavitierter Standardfolie vergleichbar. Wer den Begriff „RPP-Folie“ in einem Lastenheft oder Angebot begegnet, sollte daher beim Lieferanten klären, ob PP-Folie aus Neumaterial oder rPP-Folie aus Recyclat gemeint ist – die Materialauswahl hat direkte Auswirkungen auf Nachhaltigkeitszertifizierungen, Kosten und Druckprozess.