Anaerobe Klebstoffe

Anaerobe Klebstoffe sind Kleb- und Dichtstoffe, die unter Ausschluss von Luftsauerstoff und in Anwesenheit eines Metalls katalytisch polymerisieren und dadurch aushärten. Sie zeichnen sich durch hohe thermische Beständigkeit sowie hohe Resistenz gegenüber aggressiven Medien aus. Der Begriff „anaerob“ beschreibt dabei das Aushärteprinzip: Solange Sauerstoff vorhanden ist, bleibt der Klebstoff flüssig – erst unter Luftabschluss setzt die Polymerisation ein.

Technisch werden anaerobe Klebstoffe vor allem im Maschinenbau, Metallbau und in der Fluidtechnik eingesetzt. Typische Anwendungen sind das Sichern von Gewindeverbindungen, das Befestigen metallischer Fügeteile sowie das Abdichten von Rohrverschraubungen und Flächen. Die Aushärtegeschwindigkeit hängt vom jeweiligen Produkt und der Fügeteiltemperatur ab; bei hochfesten, wärmebeständigen Varianten darf die Fügeteiltemperatur einen Wert von +180 °C nicht überschreiten. Voraussetzung für die Aushärtung ist stets die Anwesenheit eines metallischen Fügeteils als Katalysator.

Für den Etikettendruck und die Verwendung von Haftetiketten sind anaerobe Klebstoffe kein gebräuchlicher Klebstofftyp. Die im Etikettensektor eingesetzten Haftklebstoffe gehören zu anderen Kategorien, typischerweise Acrylat-, Kautschuk- oder Emulsionsklebstoffe, die nach Eigenschaften wie permanenter Haftung, Ablösbarkeit oder speziellen Anforderungen ausgewählt werden. Das Aushärteprinzip anaerober Systeme – Luftabschluss und metallischer Katalysator – ist mit den Anforderungen an Etikettenklebstoffe strukturell nicht kompatibel: Etiketten haften auf einer Vielzahl von Untergründen, darunter Papier, Kunststoff, Glas oder Pappe, nicht ausschließlich auf Metall.

Wer Etikettenklebstoffe für sensible Anwendungen auswählt, orientiert sich an einschlägigen Vorschriften. Für Etiketten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, ist insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 relevant, die Anforderungen an Materialien und Gegenstände im Lebensmittelkontakt festlegt. Harmonisierte EU-Einzelmaßnahmen speziell für Klebstoffe bestehen bislang nicht, nationale Regelungen sind jedoch möglich. Bei der Kennzeichnung von Klebstoffprodukten selbst können zudem die Anforderungen der CLP-Verordnung greifen, sofern Gefahrenmerkmale eine entsprechende Etikettierung vorschreiben.

Für Einkäufer und Hersteller von Etiketten hat der Begriff anaerobe Klebstoffe damit vor allem abgrenzenden Charakter: Er hilft zu verstehen, dass nicht jeder technische Klebstofftyp für die Etikettierung geeignet ist, und schärft das Bewusstsein dafür, dass die Klebstoffauswahl stets anwendungs- und substratspezifisch erfolgen muss.