Dot Peening (Genadelte Codes)

Dot Peening, auch Nadelprägen oder genadelte Codes genannt, ist ein direktes Kennzeichnungsverfahren (Direct Part Marking, DPM), bei dem ein hartmetallbestifteter Prägestift mit hoher Frequenz einzelne Mikrovertiefungen in eine Bauteiloberfläche schlägt. Aus diesen Punktmustern entstehen alphanumerische Zeichen, Seriennummern, Logos oder maschinenlesbare 2D-Codes wie der Data-Matrix-Code. Das Verfahren wird in der englischsprachigen Fachliteratur auch als Dot Peen Part Marking oder Micro-Percussion Marking bezeichnet.

Technisch wird der Hartmetallstift entweder pneumatisch oder elektromagnetisch angesteuert und CNC-geführt, sodass kontrollierte Punktmuster entstehen. Die Markiertiefe liegt typischerweise zwischen 0,1 und 0,5 mm, bei Tiefenmarkierungen auch über 1 mm, was sicherstellt, dass die Kennzeichnung selbst nach Oberflächenbehandlungen wie Beschichten oder Strahlen noch lesbar bleibt. Sowohl stationäre als auch portable Systeme sind verfügbar. Ein spezieller 2D-Code, der konstruktiv auf dieses Verfahren ausgelegt ist, ist der DotCode: Jede Matrixzelle enthält dabei genau einen isolierten Punkt, der die Nachbarzellen nicht berührt. Der DotCode ist in einer AIM-Spezifikation definiert und nutzt Reed-Solomon-Fehlerkorrektur. Im Rahmen der EU-Durchführungsverordnung 2018/574 zur Rückverfolgbarkeit von Tabakwaren ist er neben Data-Matrix- und QR-Code als zulässiger maschinenlesbarer Code auf Verkaufsverpackungen anerkannt.

Für den Etikettendruck ist Dot Peening deshalb relevant, weil es als direkte Alternative zu aufgeklebten oder aufgedruckten Etiketten positioniert ist. Überall dort, wo konventionelle Etiketten aus Papier oder Folie wegen hoher Temperaturen, aggressiver Chemikalien oder starker mechanischer Beanspruchung versagen würden, kommt Dot Peening zum Einsatz – vor allem in der Automobil-, Elektronik- und Maschinenbauindustrie. Hersteller von Kennzeichnungs- und Etikettierlösungen führen Nadelprägen heute als gleichberechtigte Technologie im industriellen Kennzeichnungsportfolio. Wer DPM-Markierungen lesen möchte, benötigt Scanner oder Vision-Systeme mit expliziter DPM- und Dot-Peen-Decoding-Unterstützung, da die geprägte, kontrastarme Punktstruktur besondere Anforderungen an Beleuchtung und Bildauswertung stellt. Auf der Kostenseite entfallen Verbrauchsmaterialien wie Etiketten und Farbbänder; stattdessen sind Investitionen in Markiermaschinen und DPM-fähige Lesesysteme erforderlich. Für Anwender in regulierten Branchen gilt zudem, dass eingesetzte Codes den jeweils geltenden Regelwerken entsprechen müssen, etwa der EU-Verordnung 2018/574 im Tabakbereich.