Fluoreszenz

Fluoreszenz bezeichnet eine optische Eigenschaft bestimmter Farbstoffe und Pigmente, bei der eingestrahlte ultraviolette oder kurzwellige Strahlung absorbiert und nahezu unmittelbar – typischerweise innerhalb von Nanosekunden – als sichtbares Licht geringerer Energie wieder ausgesendet wird. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich intensive, leuchtende Farbwirkung, die weit über die eines konventionellen Farbmittels hinausgeht. Im Etikettendruck spricht man in diesem Zusammenhang auch von Leuchtfarben oder UV-aktiven Farben.

Die technische Grundlage ist in beiden Hauptanwendungsfeldern des Etikettendrucks dieselbe: Fluoreszierende Pigmente werden in Druckfarben eingearbeitet und je nach Verfahren – Flexodruck, Siebdruck, UV-Offsetdruck oder Digitaldruck – auf das jeweilige Substrat aufgetragen. Viele dieser Farben sind als UV-härtende Systeme ausgeführt, was den Einsatz entsprechender Trocknungsaggregate an der Druckmaschine erfordert. Für besonders deckende Schichten mit hoher Farbintensität wird häufig der Siebdruck eingesetzt, während der Flexodruck als das gängigste Verfahren im Rollenetikettendruck auch fluoreszierende Sonderfarben als zusätzliche Farbwerke integrieren kann.

Für den Etikettendruck ergeben sich zwei klar unterschiedliche Einsatzszenarien. Im ersten Bereich werden sichtbar fluoreszierende Druckfarben genutzt, um Etiketten mit hoher Signalwirkung auszustatten – etwa bei Aktions-, Warn- oder Promotionetiketten, bei denen ein sogenannter Neon-Effekt die Aufmerksamkeit im Regal steigern soll. Im zweiten Bereich kommen unsichtbare, nur unter UV-Licht sichtbare fluoreszierende Farben als Sicherheitsmerkmal zum Einsatz: Sie ermöglichen eine Echtheitsprüfung und erschweren die Fälschung von Marken-, Garantie- oder Steueretiketten. Letztere Anwendung setzt beim Anwender entsprechende Prüfgeräte wie UV-Lampen oder kamerabasierte Inspektionssysteme voraus.

Fluoreszierende Farben lassen sich auf gängigen Etikettenmaterialien wie gestrichenen und ungestrichenen Papieren sowie auf Folien aus PP, PE oder PVC einsetzen, sofern Substrat, Farbsystem und Trocknungsverfahren aufeinander abgestimmt sind. Eine Kombination mit Schutzlack oder Laminierung ist möglich, wobei darauf zu achten ist, dass die aufgebrachte Schicht die UV-Anregung nicht vollständig blockiert. Gegenüber Standardfarben sind fluoreszierende Systeme kostenintensiver, was sich in höheren Stückkosten niederschlägt.

Hersteller müssen zudem sicherstellen, dass die eingesetzten fluoreszierenden Farben geltenden Vorschriften genügen – insbesondere bei Lebensmittelanwendungen, wo die Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 einzuhalten ist, sowie bei Gefahrstoffkennzeichnungen nach der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, die trotz fluoreszierender Gestaltung klare Layout- und Lesbarkeitsanforderungen stellt.